Die Fitinhas de Bonfim: Glücksbändchen aus Salvador da Bahia
Wer einmal in Salvador da Bahia war, kommt an ihnen nicht vorbei: Die leuchtend bunten Textilbändchen, die an Zaunstreben flattern, Handgelenke zieren und die ganze Stadt in ein Farbenmeer verwandeln. Doch was hat es mit den sogenannten Fitinhas do Senhor do Bonfim auf sich?
Katholizismus trifft auf afrobrasilianische Religion
Was für Besucher wie ein modisches Souvenir aussieht, ist für die Menschen in Bahia ein heiliges Versprechen. Die Fitinhas do Senhor do Bonfim, auch kurz Fitas genannt, sind die Botschafter der Wünsche, denn der „Senhor do Bonfim“ ist der „Herr des guten Ausgangs“.
Alles begann im Jahr 1809. Ursprünglich hießen die Bänder „Medida do Bonfim“ (Maß des Bonfim). Der Name war Programm: Die Bänder waren genau 47 Zentimeter lang, was exakt der Länge des rechten Arms der Christusstatue am Altar der berühmten Igreja do Senhor do Bonfim in Salvador entspricht.
Im 19. Jahrhundert waren die Fitas kein einfacher Baumwollschmuck. Sie bestanden aus hochwertiger Seide, waren oft handbestickt oder mit Silber- und Goldfäden verziert. Man trug sie nicht am Handgelenk, sondern als elegante Schals, um den Hals oder als Schmuck an Hüten und Kirchenfahnen. Sogar als Dankesgabe (Ex-Voto) wurden sie an Heiligenfiguren gehängt, wenn ein Gebet erhört wurde.

Nachdem die Tradition zwischenzeitlich fast in Vergessenheit geraten war, erlebten die Bänder in den 1960er Jahren ein riesiges Comeback. Während der Hippie-Bewegung und des „Tropicalismo“ in Brasilien wurden sie als modisches und spirituelles Accessoire neu entdeckt. Aus der teuren Seide wurde günstige Baumwolle (und später Kunstfaser), damit jeder sie sich leisten konnte.
Das Spannendste an der Geschichte ist der Synkretismus, die Verbindung zweier Welten: Die Bänder verbinden den katholischen Glauben an den Senhor do Bonfim mit der magischen Welt des Candomblé und seinen Göttern (Orixás).

Was dahinter steht: ein Ritual voller Hoffnung
Die Tradition dieser Bändchen ist also so alt wie die Seele Bahias selbst. Doch man kauft sie nicht einfach nur, man zelebriert sie. Damit die Magie wirkt, muss das Band von einer anderen Person mit drei Knoten um das Handgelenk gebunden werden.
Das Wichtigste dabei: Bei jedem Knoten darf man sich im Stillen etwas wünschen. Aber Vorsicht! Die Wünsche gehen der Legende nach erst in Erfüllung, wenn das Band von ganz alleine abfällt. Wer zur Schere greift, bricht den Zauber. So trägt man seine Träume oft monatelang, manchmal sogar jahrelang mit sich herum, bis die Sonne und das Meer Brasiliens das Gewebe mürbe gemacht haben.
Und natürlich gibt es auch Farbcodes für die Art des Wunsches und die zugehörige Gottheit:

Magie, die wirkt: Eine Geschichte aus unserem Team
Dass das kein bloßer Aberglaube ist, erleben wir bei Gateway Brazil immer wieder hautnah durch unsere Kolleginnen Giselle und Laura. Beide haben ihre Wurzeln in Brasilien und tragen die Tradition der Fitinhas weiter. Erst kürzlich hat uns eine Geschichte von Laura Gänsehaut beschert:
Ihr Bändchen fiel nach langer Zeit endlich ganz von alleine vom Arm. Noch bevor sie ihrer Mutter davon erzählen konnte, berichtete diese, dass sich eine wichtige Familienangelegenheit plötzlich nach Jahren geklärt hatte. Das Unglaubliche dabei? Es war exakt der Wunsch, den Laura Jahre zuvor beim Festknoten des Bandes im Stillen formuliert hatte. Die Magie von Bahia hat also pünktlich zum neuen Jahr wieder einmal zugeschlagen!
Möchten Sie auch ein Stück brasilianische Magie am Handgelenk tragen? Besuchen Sie uns auf den nächsten Reisemessen! Wir haben immer einen Vorrat der bunten Original-Fitinhas aus Salvador dabei und binden sie Ihnen auf Wunsch gerne mit den traditionellen drei Knoten an den Arm.

Und wer sich sein Bändchen direkt am Original-Ort abholen möchte: Passende Salvador-Reisebausteine oder als Ausklang unserer Rundreise Erlebnis Brasilien findet ihr bei uns – dem Reisespezialist für Brasilien-Reisen.
Wer weiß – vielleicht ist es der Beginn für die Erfüllung Ihres ganz persönlichen Herzenswunsches 🙂