Wenn die Sonne zurückkehrt: We Tripantu

Wenn die Sonne zurückkehrt: We Tripantu

Einmal im Jahr ist die Zeit, in der die Sonne – Antü genannt – nach ihrer tiefsten Phase wiederkehrt und neues Leben bringt. Es ist die am 21. Juni stattfindende Wintersonnenwende auf der Südhalbkugel und für die Mapuche ein zentrales Ereignis im Jahreslauf. Doch zunächst einmal, wer sind die Mapuche?

Mapuche-Gemeinschaft beim We-Tripantu-Fest in Chile mit traditioneller Kleidung, Trommeln und Ritualpflanzen.

Traditionserhalt dank der Mapuche

Die Mapuche sind ein indigenes Volk, das vor allem im Süden Chiles und im Westen Argentiniens lebt. Ihre Kultur, Sprache (Mapudungun) und spirituellen Traditionen sind tief mit der Natur verbunden. Trotz jahrhundertelanger Unterdrückung und Kolonisierung haben die Mapuche ihre Identität und viele ihrer Bräuche bis heute bewahrt. Darunter auch We Tripantu, das wichtigste Fest im Jahreskreis. Das Fest wird hauptsächlich in Chile gefeiert, insbesondere in Regionen mit einer starken Mapuche-Gemeinschaft. Zu den wichtigsten Orten gehören Temuco und andere ländliche Gebiete im Süden Chiles sowie der Santa Lucía Hügel in Santiago.

Mapuche-Frauen beim We Tripantu in Chile, wie sie in traditioneller Kleidung im Rhythmus ihrer Trommeln das Neujahrsritual begleiten.
Mapuche-Frau beim We Tripantu in Chile mit traditioneller Trommel während des rituellen Neujahrsfestes.

Eine Zeit des Innehaltens und der Erneuerung

Symbolisch steht We Tripantu für Reinigung, Erneuerung und Hoffnung. Familien kommen zusammen, um gemeinsam zu feiern, zu danken und sich auf das kommende Jahr vorzubereiten.

Mapuche-Frau beim We Tripantu in Chile mit traditioneller Trommel während des rituellen Neujahrsfestes.

Der Tag beginnt oft noch in der Nacht mit einem rituellen Bad im Fluss. Dies ist ein symbolischer Akt der Reinigung von Körper und Geist. Im Morgengrauen versammelt sich die Gemeinschaft um das heilige Ñadü-Feuer, um die Rückkehr der Sonne zu feiern. Es werden traditionelle Lieder gesungen, begleitet von Trommeln (kultrun) und Flöten. Außerdem werden spirituelle Zeremonien abgehalten, die von einem Lawentuchefe oder Machi (spirituellen Führer) geleitet werden. Im Anschluss folgen Tänze und ein gemeinsames Mahl mit typischen Mapuche-Speisen wie geröstetem Getreide, Lamm und dem traditionellen Brot catuto. Alles in allem ein Ausdruck von Einheit, Dankbarkeit und Verbundenheit mit der Erde.

Besonders eindrucksvoll ist der Moment, wenn die ersten Sonnenstrahlen über dem Horizont erscheinen – ein symbolischer Neubeginn, der mit Gesängen und Freude begrüßt wird.

Mapuche-Frau beim We-Tripantu-Fest in Chile mit traditionellem Kopfschmuck, Silberschmuck und Trommel während des Rituals.

Als Reisender lebendige Kultur erleben

Zum We Tripantu gehören auch rituelle Reinigungen, Gespräche über die Ahnen, die Erneuerung familiärer und sozialer Bindungen sowie das bewusste Nachdenken über das kommende Jahr. Es ist ein Fest, das weit mehr als ein kulturelles Ereignis ist. Es ist Ausdruck einer Weltanschauung, in der der Mensch als Teil der Natur und im ständigen Austausch mit ihr verstanden wird.

We Tripantu Feier der Mapuche in Chile mit traditioneller Musik, Trommeln und farbenfrohen Gewändern, aus der Vogelperspektive aufgenommen.

Für Reisende, die im Juni in Südchile oder im Süden Argentiniens unterwegs sind, kann die Teilnahme oder Beobachtung einer We-Tripantu-Zeremonie ein toller und einmaliger Einblick in die tief verwurzelte Weltanschauung der Mapuche sein. Dabei ist es wichtig, mit Respekt und Achtsamkeit aufzutreten. Am besten man erlebt dies begleitet von einer lokalen Führung oder im Rahmen eines kulturellen Projekts.

Mapuche-Frau beim We-Tripantu-Ritual auf Chiloé, Chile, zwischen traditionellen Strohhütten vor weiter Landschaft.

Wer sich darauf einlässt, erlebt nicht nur ein spirituelles Neujahrsritual, sondern gewinnt auch ein tieferes Verständnis für die umfangreiche Kultur der Mapuche.

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