Bonito: Brasiliens Öko-Vorbild
Reisebericht von Giselle Beyer-Thó
Letzten Monat war ich mit meiner Familie in Brasilien unterwegs, drei Wochen von Bonito über das Pantanal und Brasília bis in den Cerrado, bevor wir die letzten Tage an der bahianischen Küste in Imbassaí, auf der Ilha Boipeba und in Salvador verbracht haben. Drei Etappen dieser Reise haben mich als Naturziele besonders überzeugt, und dorthin möchte ich Sie in den folgenden Beiträgen gern mitnehmen. Auf der ersten Etappe meiner Reise ging es in die wunderschöne Region um Bonito.
Wo Bonito in Brasilien liegt und was die Region ausmacht

Bonito ist eine Kleinstadt im Bundesstaat Mato Grosso do Sul, im Südwesten Brasiliens, rund dreihundert Kilometer von der Landeshauptstadt Campo Grande entfernt und damit gut erreichbar in Kombination mit dem südlichen Pantanal, das nördlich davon beginnt. Der Ort selbst ist unspektakulär, und das ist auch nicht der Grund, weshalb Gäste hierherkommen.
Entscheidend ist die Landschaft ringsum. Bonito liegt am Fuß der Serra da Bodoquena, einem Bergzug aus Kalkstein. Dieses Gestein filtert das Regenwasser auf seinem Weg durch den Untergrund und bindet die Schwebstoffe, sodass das Wasser an den Quellen in einer Klarheit wieder austritt, die man sonst kaum irgendwo findet. Genau daraus ergibt sich alles, was Bonito ausmacht: Flüsse, durch die man schnorchelnd treiben kann und dabei bis auf den Grund sieht, ausgedehnte Tropfsteinhöhlen mit unterirdischen Seen, Wasserfälle und Naturpools.
Ein Reiseziel, das seinen Ruf verdient

Wie gut dieses System funktioniert, merkt man bereits nach wenigen Stunden. Jede Attraktion arbeitet mit festen Zeitfenstern und begrenzten Teilnehmerzahlen. Man erhält seine Uhrzeit vorab mitgeteilt, und diese Zeit wird strikt eingehalten. Wir waren an keinem einzigen Tag in einer überfüllten Gruppe, mussten nirgends anstehen und haben nirgends auf einen verspäteten Transfer gewartet.
Die Guides sind ausnahmslos gut ausgebildet und führen vor jedem Ausflug eine ausführliche Einweisung durch, in der Sicherheitshinweise und Verhaltensregeln erklärt werden. Die gesamte Ausrüstung wird gestellt, vom Neoprenanzug über die Schnorchelausrüstung bis zum Helm. Bei den Ganztagesausflügen ist ein Mittagessen enthalten, und auch dieses war durchweg gut und frisch zubereitet.
Für unsere Kunden bedeutet das eine Verlässlichkeit, die in Naturreisezielen keineswegs selbstverständlich ist. Man muss sich um nichts selbst kümmern und kann sich vollständig auf die Landschaft konzentrieren.
Die Gruta do Lago Azul

Als erstes ging es für uns zur Gruta do Lago Azul, eine ausgedehnte Tropfsteinhöhle mit einem unterirdischen See. Die Stalaktiten an der Höhlendecke sind teilweise mehrere Meter lang und haben sich über Jahrtausende hinweg gebildet. Der Abstieg führt über eine lange Treppenanlage in die Tiefe, was gute Trittsicherheit voraussetzt, für die meisten Gäste aber problemlos zu bewältigen ist.
Der eigentliche Moment kommt, wenn die Sonne im richtigen Winkel in die Höhle fällt. Dann beginnt das Wasser des Sees in einem intensiven, beinahe künstlich wirkenden Blau zu leuchten. Auch hier war die Organisation vorbildlich, mit Einweisung vor dem Abstieg, Helmpflicht, klar geregelten Gruppengrößen und exakten Zeiten.
Buraco das Araras – Hunderte rote Aras in einer roten Schlucht


Das Buraco das Araras ist eine tiefrote Sandstein-Kraterschlucht, in der Hunderte von roten Aras leben und lautstark ihre Runden drehen. Man steht oben am Rand, schaut hinunter – und über einem, unter einem, um einen herum fliegen diese leuchtend roten Vögel.
Ein Hinweis, der mich selbst überrascht hat: Im Internet liest man immer, man müsse früh morgens oder am späten Nachmittag hin, sonst sehe man nichts. Bei uns wurde die Uhrzeit kurzfristig geändert und wir waren um 14:40 Uhr dort – und haben trotzdem sehr viele rote Aras gesehen. Die Vögel sind dort ganztägig aktiv. Wer also nur einen bestimmten Slot bekommt: keine Sorge, es lohnt sich zu jeder Tageszeit.
Schnorcheln im warmen Quellwasser: Rio da Prata und Nascente Azul


Bonito ist weltberühmt für seine glasklaren Quellflüsse, in denen man inmitten von tausenden bunten Fischen schnorcheln kann. Zwei der besten Spots dafür sind der Rio da Prata und die Nascente Azul, und wir haben an beiden Orten geschnorchelt.
Der Rio da Prata ist der Klassiker und die längere der beiden Touren. Man wandert zunächst ein Stück durch den Wald zum Einstieg, lässt sich anschließend mit der Strömung treiben und beobachtet dabei die Fischschwärme, die sich vom Menschen überhaupt nicht stören lassen. Die Ausrüstung wird vollständig gestellt, ein Mittagessen ist enthalten. Bei unserer Tour war zusätzlich ein Fotograf dabei. Die Aufnahmen erhält man anschließend unkompliziert in digitaler Form, was ich als sehr angenehm empfunden habe, weil man sich selbst nicht um die Kamera kümmern muss.
Die Nascente Azul haben wir zusätzlich unternommen, und sie war die eigentliche Überraschung. Die Tour ist deutlich kürzer als der Rio da Prata, die Unterwasservegetation fand ich jedoch fast noch schöner. Wer die Zeit hat, sollte beide Ausflüge machen, weil sie sich in Charakter und Landschaft klar voneinander unterscheiden.
Ein Punkt, der mich fachlich am meisten überrascht hat, betrifft die Wassertemperatur. Das Wasser tritt mit 21 bis 24 Grad direkt aus der Quelle aus, und zwar ganzjährig. Wir waren im brasilianischen Winter unterwegs und hatten tatsächlich kühle Nächte mit Temperaturen um 12 Grad. Auf der Fahrt zu einem der Schnorchelausflüge zeigte das Thermometer am Morgen ebenfalls 12 Grad, und in der Gruppe herrschte einhellig die Meinung, dass bei dieser Temperatur niemand ins Wasser gehen werde. Tatsächlich war das Wasser dann angenehm warm. Bonito ist damit uneingeschränkt ganzjährig buchbar, was für die Planung außerhalb der Hauptsaison eine wichtige Information ist.
Boca da Onça – mein Geheimtipp

Zusätzlich zu den Klassikern haben wir den Ausflug zum Boca da Onça gemacht, und diesen Ausflug kann ich sehr empfehlen. Die Schlucht beherbergt mit stolzen 156 Metern den höchsten Wasserfall des Bundesstaates Mato Grosso do Sul.
Es handelt sich um einen Ganztagesausflug. Man wandert entlang des Canyons durch dichten Wald und passiert dabei eine Reihe von Wasserfällen unterschiedlicher Größe. Anschließend kann man sich in den Naturpools rund um den großen Wasserfall abkühlen, und das Baden ist ausdrücklich erwünscht. Der Guide war ausgesprochen kompetent, das Mittagessen im Anschluss sehr gut.
Die Wanderung selbst ist nicht anstrengend. Zu beachten ist allerdings der Rückweg, der über rund 860 Stufen wieder nach oben führt. Für Personen mit durchschnittlicher Kondition ist das problemlos machbar. Wir haben den Tag sehr genossen und würden ihn jederzeit wiederholen.
Wie viel Zeit sollte man für Bonito einplanen?
Mit der Gruta do Lago Azul, dem Buraco das Araras, ein bis zwei Schnorchelausflügen und der Boca da Onça erhält man ein rundes, vollständiges Bild von Bonito – dafür sollte man mindestens vier Nächte einplanen. Nach oben ist die Liste offen: Mit den Canyons do Salobra und dem Abismo Anhumas kommen zwei weitere Ausflüge derselben Güte hinzu. Wer Zeit hat, kann ruhig eine ganze Woche in Bonito bleiben, ohne dass es langweilig wird.
Und plötzlich läuft ein Tapir durch die Stadt
Was für mich neu war: Bonito ist nicht nur Wasser und Höhlen – man sieht hier auch richtig viele Tiere. Nicht nur die roten Aras am Buraco das Araras. Wir haben in der Nähe des Rio da Prata einen Ameisenbären gesehen, dazu Tukane, Gelbbrust-Aras und immer wieder Tiere am Straßenrand. Und dann lief mitten in Bonito ein Tapir durch die Stadt. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet.

Übernachtet haben wir in der Pousada Olho d’Água

Die Pousada Olho d’Água liegt etwas außerhalb von Bonito, und die Anlage ist wunderschön: große alte Bäume, viel Grün, viel Ruhe. Vor allem ist sie ein kleines Vogelparadies – wir haben dort Birdwatcher mit riesigen Teleobjektiven durchs Gelände laufen sehen. Tukane, Aras und Affen gibt es direkt auf dem Gelände.
Mein Fazit

Bonito ist ein Ziel, bei dem außergewöhnliche Natur und professionelle Organisation zusammenkommen. Die ganzjährig warmen Quellflüsse machen das Reiseziel unabhängig von der Saison, die Bandbreite der Ausflüge ist groß, und die Tierbeobachtung ist ein absoluter Zugewinn. Generell sollte man lieber einen Tag mehr ein als einen zu wenig einplanen.
Bonito lässt sich außerdem hervorragend mit dem Pantanal zu einer Naturrundreise verbinden – zum Beispiel als große Brasilien-Rundreise, die zusätzlich Iguaçu, den Amazonas oder die Küste von Bahia einschließt. Ein guter Ausgangspunkt ist auch unser Reisebaustein Mietwagenreise Pantanal & Bonito: sechs Tage als Selbstfahrertour von Campo Grande über Bonito ins Pantanal – individuell zum Wunschtermin, auch mit weiteren Regionen kombinierbar.
Wir passen Route, Hotelkategorie und Dauer gern an Ihre Wünsche an – sprechen Sie uns einfach an, wir planen Ihre maßgeschneiderte Traumreise!
Die Reise in drei Teilen
Giselle Beyer-Thó war drei Wochen in Brasilien unterwegs. Drei Etappen haben sie als Naturziele besonders überzeugt:
- Teil 1: Bonito – Brasiliens Öko-Vorbild (dieser Beitrag)
- Teil 2: Pantanal – zwei Tage in der Nhecolândia
- Teil 3: Cerrado – Brasiliens zweitgrößtes Ökosystem