Cerrado: Brasiliens zweitgrößtes Ökosystem
Reisebericht von Giselle Beyer-Thó
Der dritte Teil meines Reiseberichts führt in eine Region, die selbst unter erfahrenen Brasilienreisenden weitgehend unbekannt ist. Zur Einordnung noch einmal der Verlauf der gesamten Reise, die ich in drei Wochen unternommen habe. Nach fünf Nächten in Bonito ging es ins Pantanal, zunächst für zwei Nächte auf die Fazenda Barranco Alto in der Nhecolândia, dann über Campo Grande nach Brasília, haben die Hauptstadt besichtigt und sind von dort in den Cerrado weitergereist. Zum Abschluss folgten einige Tage an der Küste von Bahia, in Imbassaí, auf der Ilha Boipeba und in Salvador da Bahia.
Diese dritte Etappe war diejenige, auf die ich am meisten gespannt war, und sie hat mich am stärksten überrascht.
Was den Cerrado ausmacht



Der Cerrado ist eine ausgedehnte Savannenlandschaft im Herzen Brasiliens und nimmt etwa 20 bis 25 Prozent der Landesfläche ein. Nach dem Amazonas-Regenwald ist er damit das zweitgrößte Ökosystem Südamerikas. Trotz dieser Größe ist er international kaum bekannt, und auch in Brasilien selbst wird seine Bedeutung häufig unterschätzt.
Vegetationskundlich unterscheidet er sich grundlegend von Pantanal, Amazonasgebiet und Mata Atlântica. Prägend sind knorrige, an Trockenheit angepasste Bäume, weite Graslandschaften und ein Himmel, der bis zum Horizont reicht. Weil die Vegetation eine andere ist, ist auch die Tierwelt eine andere. Genau darin liegt der Reiz, den Cerrado als dritte Etappe einzuplanen, denn man sieht nicht dreimal dieselbe Art von Natur, sondern drei klar voneinander unterscheidbare Landschaftsformen.
Die Anreise

Wir wurden in Brasília abgeholt und fuhren um 8 Uhr los. Mit einer halben Stunde Pause waren wir um 14 Uhr an der Pousada, also rund sechs Stunden unterwegs. Es handelt sich praktisch durchgehend um eine asphaltierte Straße in gutem Zustand, lediglich die letzten vierzig Minuten führen über eine Schotterpiste.
Unterwegs durchquert man ein Stück von Goiás und von Minas Gerais und erreicht schließlich Bahia, genauer die Region um die Ortschaft Cocos. Der Weg über Brasília ist nicht der kürzeste, jedoch dank der guten Straßenverhältnisse die komfortabelste Landvariante. Wer sich die Fahrt sparen möchte, erreicht die Lodge ab Brasília auch im Kleinflugzeug.
Pousada Trijunção




Die Pousada Trijunção grenzt unmittelbar an den Parque Nacional Grande Sertão Veredas, einen vergleichsweise jungen Nationalpark, der eigens zum Schutz des Cerrado eingerichtet wurde.
Das Haus selbst hat meine Erwartungen deutlich übertroffen. Mit einer derartigen Qualität hatte ich in dieser Abgeschiedenheit nicht gerechnet. Die Pousada verfügt über lediglich acht Zimmer und bietet einen hervorragenden Service. Gebaut ist sie rustikal, ausgestattet jedoch sehr hochwertig, mit ausgefallenen Dekorationsobjekten und einer durchdachten Beleuchtung. Die Zimmer sind großzügig geschnitten und verfügen über einen eigenen Wohnbereich sowie ein Bad mit Außendusche. Jedes Mal, wenn wir das Zimmer verlassen hatten, war bei unserer Rückkehr nachgerichtet worden und eine kleine, hausgemachte regionaltypische Süßigkeit hinterlegt.
Das Restaurant ist durchgehend von 7 bis 22 Uhr geöffnet. Man frühstückt, isst zu Mittag und zu Abend, wann man möchte, und zwar à la carte. Sämtliche Speisen der Karte sind im Preis enthalten, ebenso sämtliche Ausflüge. Auch beim Frühstück wählt man aus der Karte, und die Gerichte werden an den Tisch gebracht. Kulinarisch war der Aufenthalt ausgezeichnet.
Insgesamt bewegt sich das Haus auf dem Niveau der besten Naturlodges Brasiliens und eignet sich damit auch für anspruchsvolle Gäste, die auf Komfort nicht verzichten möchten.
Onçafari und der Mähnenwolf


Der erste Ausflug war zugleich der außergewöhnlichste. Die Pousada Trijunção arbeitet mit dem Onçafari-Projekt zusammen, also demselben Naturschutzprojekt, das im Pantanal für seine Arbeit mit dem Jaguar bekannt ist. Im Cerrado steht hier der Mähnenwolf im Mittelpunkt.
Vor Ort arbeiten echte Forscherinnen und Forscher. Mehrere Mähnenwölfe, nach meiner Kenntnis fünf Tiere, tragen ein Senderhalsband. In regelmäßigen Abständen werden sie eingefangen, narkotisiert und untersucht, wobei unter anderem Blutwerte erhoben werden. Für Gäste bedeutet die Zusammenarbeit, dass man an der eigentlichen Feldarbeit teilnehmen kann. Man fährt mit einem Geländewagen hinaus, und die Forscher orten mithilfe einer Antenne per Telemetrie, in welcher Richtung sich ein besendertes Tier gerade aufhält. Anschließend fährt man dorthin und wartet ab.
Bei uns hat es funktioniert. Wir hielten an einer Stelle, an der die Forscher das Tier rechts von uns vermuteten, und hofften, dass es sich in unsere Richtung bewegen würde. Kurz darauf konnten wir den Mähnenwolf tatsächlich sehen und ihn in Ruhe beobachten. Der Zeitpunkt war der Sonnenuntergang, da es sich um ein nachtaktives Tier handelt. Dass diese Begegnung bereits am ersten Abend gelang, war ein außergewöhnlicher Auftakt.


Auf dem Rückweg zur Pousada folgte eine Nachtsafari mit der Taschenlampe. Dabei begegnete uns ein Maikong, der auch als Waldhund oder Krabbenfuchs bezeichnet wird und ein typischer Bewohner des Cerrado ist. Im Anschluss blieb noch Zeit für den Sternenhimmel, der in dieser Region wegen der vollständigen Abwesenheit künstlicher Lichtquellen außergewöhnlich klar ist.
Nationalpark, Biologen und ein Picknick unter Bäumen





Am folgenden Tag stand der Ausflug in den Parque Nacional Grande Sertão Veredas auf dem Programm. Geführt von Biologen sind wir tief in die Vogelwelt des Cerrado eingetaucht, haben Spuren gelesen, Tiere beobachtet und einen kleinen Spaziergang unternommen. Auch Gelbbrust-Aras ließen sich sehen.
Zur Qualität der Führungen möchte ich ausdrücklich etwas anmerken. Sämtliche Guides waren hervorragend, es handelt sich durchweg um ausgebildete Biologen, und derjenige, der uns an diesem Tag begleitete, ist zusätzlich promoviert. Ich hatte darum gebeten, die Führung auf Portugiesisch durchzuführen, und das Ergebnis glich einem sehr guten Biologieunterricht, der auch für die Kinder verständlich und spannend blieb. Fachlich war das das Beste, was ich in Brasilien bisher erlebt habe.
Zum Abschluss des Ausflugs hatte das Team mitten in der Natur einen Tisch aufgebaut, mit Snacks, Sandwiches und mitgebrachten Säften, alles unter schattigen Bäumen. Solche Aufmerksamkeiten prägen den Gesamteindruck eines Aufenthalts erheblich.

Erwähnenswert ist außerdem, dass in dieser Region auch Jaguare vorkommen. Auf einer benachbarten Fazenda arbeitet ein Team daran, sie mit Sendern auszustatten und ihre Bewegungen zu überwachen. Ausflüge für Gäste werden dazu bislang nicht angeboten. Eine Entwicklung in diese Richtung ist denkbar, gegenwärtig ist der Mähnenwolf jedoch das Tier, das sich hier gezielt aufsuchen lässt.
Marco das Três Divisas



Der Nachmittag führte uns zum Marco das Três Divisas, dem historischen Dreiländereck, an dem die brasilianischen Bundesstaaten Bahia, Minas Gerais und Goiás aufeinandertreffen. Vor Ort befinden sich eine Markierung und eine kleine Kapelle. Die Umgebung ist von einer eindrucksvollen Canyon-Landschaft geprägt.
Wir sind ein Stück zu Fuß gegangen, bis zu einer Stelle mit weitem Blick über die Schluchten. Dort hatte das Team ein Deck errichtet und einen Tisch aufgebaut, mit Sekt, Säften und Snacks, während die Sonne unterging. Dieses Sonnenuntergangserlebnis war traumhaft. Wir waren ganz allein auf dem so nett eingerichteten Deck, vor uns die Weite des Cerrado, dazu das Licht der letzten Sonnenstunde und das Picknick. Wir haben uns dort wirklich sehr privilegiert gefühlt – fast wie VIPs! So einen Moment bekommt man nicht oft. Es war einer der schönsten Momente der gesamten Reise.
Auf dem Rückweg zur Lodge folgte eine zweite Nachtsafari.
Sonnenaufgang vom Beobachtungsturm und das Fauna-Projekt



Am Abreisemorgen stand eine Vogelbeobachtung zum Sonnenaufgang auf dem Programm. Die Pousada verfügt über einen eigenen Beobachtungsturm, von dem aus wir den Tag erwachen sahen. Während es hell wurde, leisteten uns die vielfältige Vogelwelt sowie neugierige Äffchen und Leguane Gesellschaft.
Im Anschluss haben wir das Fauna-Projekt der Pousada besichtigt. Dabei handelt es sich um eine lizenzierte Zucht- und Auffangstation, in der einzelne Arten nachgezogen und teilweise wieder ausgewildert werden. Wir haben dort unter anderem Tapire und Weißbartpekaris gesehen. Die Tiere befinden sich in Gehegen, die Führung war jedoch ausgesprochen informativ, und begleitet hat uns der Tierarzt des Projekts persönlich. Auch das zeigt, mit welcher fachlichen Tiefe hier gearbeitet wird.
Nach dem Mittagessen traten wir die sechsstündige Rückfahrt nach Brasília an.
Fazit

Der Cerrado war für mich die Entdeckung dieser Reise. Eine völlig andere Landschaft, eine andere Tierwelt, ein Naturschutzprojekt, an dem man unmittelbar teilnimmt, und mit der Pousada Trijunção ein Haus, dessen Qualität man in dieser Abgeschiedenheit nicht erwartet. Für Gäste, die Brasiliens Natur bereits kennen und etwas suchen, das wirklich neu für sie ist, halte ich diese Region für eine ausgezeichnete Wahl.
In der Kombination entfaltet die Route ihre volle Wirkung. Bonito steht für glasklares Wasser und vorbildlich organisierten Ökotourismus, das Pantanal für die höchste Tierdichte des Kontinents, der Cerrado für Weite, Savanne und aktive Forschung. Drei Ökosysteme, drei deutlich voneinander unterscheidbare Erlebnisse innerhalb einer Reise.
Die Reise in drei Teilen
Giselle Beyer-Thó war drei Wochen in Brasilien unterwegs. Drei Etappen haben sie als Naturziele besonders überzeugt:
- Teil 1: Bonito – Brasiliens Öko-Vorbild
- Teil 2: Pantanal – zwei Tage in der Nhecolândia
- Teil 3: Cerrado – Brasiliens zweitgrößtes Ökosystem (dieser Beitrag)
Wir planen Ihre Naturrundreise durch Brasilien
Bonito, Pantanal und Cerrado ergeben zusammen eine Brasilien-Reise, die in keinem Standardkatalog steht — drei Ökosysteme, drei völlig verschiedene Landschaften, eine Route. Als Basis für eine solche Route kann unser Reisebaustein Pantanal & Bonito dienen, den wir um den Cerrado und auf Wunsch um eine Strandverlängerung in Bahia erweitern. Für die Pousada Trijunção und die Fazenda Barranco Alto organisieren wir Transfers und Aufenthalte passend dazu.
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