Pantanal: Zwei Tage in der Nhecolândia
Reisebericht von Giselle Beyer-Thó
Letzten Monat war ich mit meiner Familie in Brasilien unterwegs, drei Wochen von Bonito über das Pantanal und Brasília bis in den Cerrado, bevor wir die letzten Tage an der bahianischen Küste in Imbassaí, auf der Ilha Boipeba und in Salvador verbracht haben. Drei Etappen dieser Reise haben mich als Naturziele besonders überzeugt, und dorthin möchte ich Sie in den folgenden Beiträgen gern mitnehmen.
Der zweite Teil führt ins Pantanal, und das war hinsichtlich der Tierbeobachtung die intensivste Etappe der gesamten Reise.
Die Anreise ist bereits Teil der Safari

Ich will offen sein: Ich war zunächst überrascht, wie weit die Fazenda Barranco Alto tatsächlich entfernt liegt. Von Bonito aus fuhren wir zwei Stunden und vierzig Minuten bis zum Aeroclube in Aquidauana. Dort wurden wir abgeholt, und anschließend dauerte es weitere viereinhalb Stunden im Geländewagen bis zur Lodge.
Die Fazenda liegt am Ende einer nicht ausgeschilderten Piste, die ausschließlich mit Allradfahrzeug befahrbar ist — als Selbstfahrer würde man dort niemals ankommen. Der Transfer gehört deshalb zwingend zum Aufenthalt, und dafür gibt es zwei Wege: die viereinhalbstündige Fahrt im Geländewagen, die selbst schon eine Safari ist, oder ab dem Aeroclube in Aquidauana mit einem Kleinflugzeug. Wer wenig Zeit hat oder sich die anspruchsvolle Piste ersparen möchte, ist mit dem Flug gut beraten.
Während der Fahrt habe ich mich zwischendurch gefragt, ob wir uns diesen Aufwand wirklich zumuten wollen. Nach zwei Tagen vor Ort war die Antwort eindeutig.
Denn diese viereinhalb Stunden sind keine bloße Transferfahrt, sondern faktisch eine ausgedehnte Jeepsafari. Wir haben unterwegs Hyazinth-Aras gesehen, neugierige Capybaras, Nandus und einen Ameisenbären.



Die Strecke ist anspruchsvoll. Wir reisten im Juli, also bereits in der Trockenzeit, denn die Regenzeit dauert üblicherweise bis Mai. Dennoch stand zu diesem Zeitpunkt noch viel Wasser in der Landschaft, teilweise in Form sehr großer Wasserlöcher. Die reguläre Trockenzeitpiste war nicht befahrbar, sodass wir einen weiträumigen Umweg fahren mussten. Der Weg ist sandig, führt beständig auf und ab, durch Senken, durch Wasser und durch schlammige Abschnitte. Teilweise fühlten wir uns wie in einer Achterbahn.
Streng genommen handelt es sich dabei auch nicht um eine Straße, sondern man fährt quer durch die einzelnen Fazendas. Der Fahrer musste schätzungsweise zehn bis zwanzig Mal anhalten, ein Tor öffnen und es hinter dem Fahrzeug wieder schließen. Das kostet zusätzlich Zeit, gehört aber untrennbar zum Charakter dieser Region.
Die Region Nhecolândia

Die Nhecolândia ist eine der abgelegensten und zugleich artenreichsten Teilregionen des Pantanals. Charakteristisch sind die zahlreichen runden Wasserstellen, die sogenannten Salinas, die der Landschaft aus der Luft betrachtet ein sehr eigenes Muster geben. Traditionell wird hier extensive Rinderzucht betrieben, wobei zahlreiche Fazenden inzwischen einen deutlichen Schwerpunkt auf Ökotourismus und Naturschutz legen.
Fazenda Barranco Alto


Die Fazenda Barranco Alto ist ein großer, landwirtschaftlich weiterhin aktiver Betrieb mit einem klaren Bekenntnis zum Naturschutz. Die Unterkunft ist rustikal gehalten, aber mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Alles ist gepflegt und stimmig, mit schöner Dekoration und Teppichen. Die Zimmer sind großzügig geschnitten, und die Lage direkt am Fluss ist außergewöhnlich schön.
Das Personal war aufmerksam und sehr professionell. Die Guides sind ausgebildete Biologen. Einer von ihnen hat in São Paulo studiert, ein weiterer stammte aus England. Geführt wird auf Englisch, die Managerin vor Ort spricht zusätzlich Deutsch. Was diese Guides auszeichnet, ist ihre Gründlichkeit. Sie halten immer wieder an und erklären, und zwar nicht nur bei den großen, publikumswirksamen Tieren, sondern ebenso bei kleinen Vogelarten, die andernorts übersehen würden. Diese Haltung hebt den Aufenthalt deutlich über das übliche Niveau hinaus.
Gegessen wird gemeinsam an einem großen Tisch, an dem alle Gäste zur selben Zeit Platz nehmen. Die Guides essen mit, was zu sehr guten Gesprächen führt und den Abend zu einem eigenen Programmpunkt macht. Das Essen war durchweg schmackhaft und abwechslungsreich. Vor dem Abendessen wurden Caipirinha, Bier und kleine Snacks gereicht.
Was wir gesehen haben
Das Gelände der Fazenda ist so weitläufig, dass sich zahlreiche Tiere unmittelbar dort beobachten lassen. Dazu gehören der flugunfähige Nandu, das südamerikanische Pendant zum Strauß, sowie der farbenfrohe Feldspecht. Besonders schön anzusehen war das Sechsbinden-Gürteltier, das wir nicht nur kurz erspäht, sondern über einen längeren Zeitraum beobachten und fotografieren konnten.


Vom Kanu aus zeigten sich Kaimane und zahlreiche Vogelarten, darunter ein weiblicher Amazonasfischer. Bei den Boots- und Jeepsafaris kamen Capybaras, Kaimane und immer wieder Aras hinzu.


Am Fluss folgte für mich der Höhepunkt des Aufenthalts. Wir haben Riesenotter gesehen, die ausgelassen im Wasser spielten und uns dabei ihrerseits neugierig begutachtet haben. Auch das war keine flüchtige Begegnung, sondern eine ausgedehnte Beobachtung.


Bemerkenswert ist, dass wir dort alle drei großen Ara-Arten gesehen haben, nämlich Gelbbrustaras, rote Aras und die majestätischen Hyazinth-Aras. Ergänzt wurde das durch Tukane und eine große Bandbreite kleinerer Vogelarten.






Den Abschluss dieser Etappe bildete eine Beobachtung, die ich nicht vergessen werde. Wir konnten einen Riesenameisenbären dabei begleiten, wie er sein Jungtier behutsam auf dem Rücken durch das hohe Gras trug.

Dass Barranco Alto insbesondere Fotografinnen und Fotografen empfohlen wird, kann ich nach diesen zwei Tagen uneingeschränkt bestätigen. Die Kamera ist hier praktisch im Dauereinsatz.
Fazit

Die Fazenda Barranco Alto ist uneingeschränkt empfehlenswert, setzt aber voraus, dass Gäste wissen, worauf sie sich einlassen. Die Lage ist abgelegen, die Anreise anspruchsvoll. Wer diese Anfahrt jedoch als Bestandteil des Erlebnisses versteht, wird mit einer Tierdichte und einer fachlichen Qualität der Führungen belohnt, die im Pantanal nur schwer zu übertreffen ist. Für Fotografinnen und Fotografen sowie für alle, die Tiere nicht abhaken, sondern wirklich beobachten möchten, ist dieser Ort eine ausgezeichnete Wahl.
Die Reise in drei Teilen
Giselle Beyer-Thó war drei Wochen in Brasilien unterwegs. Drei Etappen haben sie als Naturziele besonders überzeugt:
- Teil 1: Bonito – Brasiliens Öko-Vorbild
- Teil 2: Pantanal – zwei Tage in der Nhecolândia (dieser Beitrag)
- Teil 3: Cerrado – Brasiliens zweitgrößtes Ökosystem
Wir planen Ihre Pantanal-Reise
Das Pantanal lässt sich gut mit Bonito verbinden — und wer weiter denkt, hängt den Cerrado, den Amazonas oder die Küste von Bahia an und macht daraus eine Naturrundreise durch Brasilien.
Als Basis für diese Region dienen unsere Pantanal-Reisen oder unser Reisebaustein Pantanal & Bonito (auch als Mietwagenreise durchführbar): sechs Tage von Campo Grande über Bonito ins Pantanal, individuell zum Wunschtermin. Abgelegene Fazendas wie Barranco Alto sind nur mit Transfer erreichbar – wir gestalten Anreise, Aufenthalt und Verlängerung gern passend zu Ihren Wünschen.
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