Unterwegs in Brasilien – von Rio bis Imbassaí

Unterwegs in Brasilien – von Rio bis Imbassaí

Reisebericht aus Brasilien von Megan Sloan

Morgens noch Flussdelfine im Amazonas, wenige Tage später Trommeln im Pelourinho: Brasilien wechselt schneller das Gesicht, als man hinterherkommt. Für Gateway Brazil war ich zwei Wochen unterwegs: von Rio de Janeiro über die Iguaçu-Wasserfälle und eine Lodge tief im Regenwald bis nach Salvador da Bahia und an die Strände von Imbassaí. Fünf Etappen, fünf völlig verschiedene Regionen und Landschaften. Was mich am meisten überrascht hat, erfahrt ihr in diesem Blogartikel.

Rio de Janeiro: bom dia, Copacabana!

Kaum gelandet, hieß es: rein in die Havaianas und ab an die Copacabana. Genau dieser Ablauf, in genau dieser Reihenfolge – anders funktioniert Rio nicht. Zwischen Palmen, Beachvolleyballnetzen und dem Zuckerhut in der Ferne saßen wir am Abend bei Live-Musik und kühlen Drinks und haben den brasilianischen Vibe einfach aufgesaugt. Ein Saxofonist mitten zwischen den Tischen & alle singen mit: So beginnt der Auftakt meiner Reise.

Palmen und Volleyballnetze am Strand der Copacabana in Rio de Janeiro am frühen Abend
Ankommen und durchatmen: die Copacabana kurz vor Sonnenuntergang.

Die großen Klassiker haben wir natürlich auch angeschaut, und ich kann bestätigen: Sie sind zu Recht Klassiker. Einmal im Leben vor dem Cristo Redentor zu stehen und diesen Ausblick über die Bucht zu haben: Check. Und wenn die Seilbahn in zwei Etappen den Zuckerhut erklimmt und sich oben der 360-Grad-Blick über die Stadt öffnet, ist das schlicht Gänsehaut pur. Mein Tipp: Beides möglichst früh am Tag oder in den späten Nachmittagsstunden einplanen, dann sind die Wolken meist freundlicher und die Warteschlangen kürzer.

Mein persönliches Highlight in Rio war aber ein anderes: das Künstlerviertel Santa Teresa auf den Hügeln der Stadt. Kopfsteinpflaster, Wandmalereien an jeder zweiten Ecke, kleine Ateliers und Cafés. Und die besten Pão de queijo der Reise, das sind diese beliebten Käsebrot-Snacks aus Maniokstärke, die man am besten warm aus der Papiertüte isst. Von Santa Teresa ist es nicht weit bis zur Escadaria Selarón, der berühmten Fliesentreppe. Hier die hard facts: 215 Stufen, 125 Meter Länge und über 2.000 Kacheln aus mehr als 60 Ländern. Gestaltet wurde sie vom chilenischen Künstler Jorge Selarón, der über 20 Jahre daran gearbeitet hat. Zwischen all den Fliesen findet sich auch ein Bild des Schöpfers selbst, mitten in die Treppe eingearbeitet. Man entdeckt es tatsächlich, wenn man aufmerksam schaut.

Als Kontrastprogramm zum Stadtlärm empfehle ich den Botanischen Garten im Süden der Stadt. Zu sehen gibt es riesige Victoria-Seerosen, freilebende Kapuzineraffen in den Bäumen und eine Allee aus meterhohen Kaiserpalmen, die aussehen wie Kathedralen aus Grün. Eine echte Ruheoase, wenn man von Aussichtspunkten und Treppen erst mal genug hat.

Victoria-Seerosen im Teich des Botanischen Gartens von Rio de Janeiro vor bewaldeten Bergen
Ruheoase im Süden der Stadt: der Botanische Garten mit Victoria-Seerosen.

Iguaçu: zwei Seiten, zwei völlig verschiedene Erlebnisse

Der Klassiker-Streit unter Reisenden lautet: brasilianische oder argentinische Seite? Meine Antwort nach dieser Etappe: beide, und zwar in dieser Reihenfolge:

Da rund 80 Prozent der Fälle auf argentinischem Gebiet liegen, hat man von der brasilianischen Seite den perfekten Panoramablick. Man läuft den Weg entlang und sieht die gesamte Kulisse als Ganzes – mit Regenbogen in der Gischt, wenn das Licht mitspielt. Das absolute Highlight auf dieser Seite war für uns ein Helikopter-Rundflug über die Fälle: unbeschreiblich, wie sich diese Wassermassen aus der Luft in den Wald schneiden. Direkt nebenan liegt außerdem der Vogelpark, meiner Meinung nach total unterschätzt. Tukane auf Augenhöhe, Aras, Kolibris, Schmetterlinge – ich hätte dort problemlos einen halben Tag verbringen können.

Panorama der Iguaçu-Wasserfälle mit Regenbogen in der Gischt
Blick auf die Kaskaden beider Seiten.
Megan auf dem Panoramaweg vor den Iguaçu-Wasserfällen auf der brasilianischen Seite
Panoramablick auf der brasilianischen Seite.
Riesentukan mit orangefarbenem Schnabel auf einem Ast im Vogelpark bei Foz do Iguaçu
Tukan im Vogelpark.

Die argentinische Seite ist dann das Gegenteil: mittendrin statt nur dabei. An der Teufelsschlucht (Garganta del Diablo) spürt man die pure Wucht des Wassers – der Boden vibriert, und man versteht körperlich, was hier eigentlich passiert. Und wer sich für die Gran Aventura Bootstour entscheidet, sollte wissen: Es gibt kein Entkommen. Das Boot fährt direkt in die Fälle hinein, und danach ist man von oben bis unten klitschnass. Wechselkleidung und ein wasserdichter Beutel für Handy und Kamera sind Pflicht, nicht nur eine Empfehlung.

Boot der Gran Aventura Tour direkt vor den Iguaçu-Wasserfällen auf der argentinischen Seite
Gran Aventura: Danach ist man garantiert klitschnass.

Noch ein Praxishinweis aus dem Nationalpark: Die Nasenbären an den Wegen sehen zum Verlieben niedlich aus, sind aber Wildtiere. Anfassen ist tabu, und beim Snacken heißt es doppelt aufpassen – die Tiere haben gelernt, wo das Essen herkommt.

Nasenbär (Coati) auf einem Holzgeländer im Iguaçu-Nationalpark
Süß, aber Wildtier: Nasenbären am Wegesrand.

Amazonas: offline in der Lodge

Diese Etappe hat mich am meisten verändert. Unsere Lodge lag ein gutes Stück von Manaus entfernt, und man fühlt sich dort sofort komplett isoliert von der Außenwelt – im besten Sinne. Die Tupana Lodge ist eine wunderschöne Oase mit Holzstegen zwischen den Bungalows, Brüllaffen im Blätterdach und fantastischem Essen.

Weil wir in der Regenzeit dort waren, durften wir ein besonderes Naturphänomen erleben: den Igapó, den überfluteten Regenwald. Mit dem Boot direkt durch die Baumkronen zu fahren, während das spiegelglatte Wasser Himmel und Bäume perfekt reflektiert – absolut magisch. Wer die Wahl hat, sollte für diese Region bewusst die Wasserhochstände einplanen; die Landschaft ist dann eine völlig andere als in der Trockenzeit.

Der Rest der Etappe war gelebter Alltag im Wald:

  • Piranha-Fischen, ganz klassisch mit Holzstöcken und Fleisch an der Schnur. Sagen wir so: Das Abendessen in der Lodge war gesichert.
  • Selfmade Açaí – vom Pflücken der Beeren an der Palme (ich bin fast ganz hochgekommen!) über das Einweichen bis zum Zerstampfen. Danach sahen meine Hände aus wie nach einer Farbschlacht. Frischer geht es nicht.
  • Besuch bei einer lokalen Familie, die uns gezeigt hat, wie aus der Maniokwurzel über offenem Feuer Mehl geröstet wird – die Grundlage von fast allem, was hier auf den Tisch kommt.
  • Nachts im Dschungel: typisches Abendessen bei Kerzenlicht und dann Übernachtung in der Hängematte. Ungewohnt, aber überraschend gut.
  • Sofia, ein wilder Tapir, der ab und zu in der Lodge vorbeischaut, wenn ihm die Futtersuche im Wald schwerfällt. Zuckersüß.
Tapir Sofia steht nachts im Scheinwerferlicht auf dem Gelände einer Lodge im Amazonas
Tapir Sofia schaut vorbei, wenn die Futtersuche im Wald zäh wird.

Und zum Abschied gab es dann das größte Glück überhaupt: Die seltenen pinken Flussdelfine haben uns besucht. Nach dem Füttern konnte ich nicht widerstehen und bin einfach mit ihnen im Amazonas geschwommen. Ein Moment für die Ewigkeit.

Salvador da Bahia: völlig anderer Vibe

Salvador packt mich ab der ersten Sekunde mit seiner tiefen, kraftvollen afro-brasilianischen Kultur. Nach dem Amazonas war der Kontrast maximal: Kopfsteinpflastergassen, pastellfarbene Kolonialhäuser, Murals an ganzen Fassaden, Trommeln aus jeder zweiten Seitenstraße.

Kopfsteinpflaster und Kolonialbauten am Largo do Pelourinho mit der Kirche Rosário dos Pretos in Salvador da Bahia
Der Pelourinho im Abendlicht, rechts die Igreja do Rosário dos Pretos.

Wie tief diese Kultur verankert ist, zeigt sich am besten an zwei Orten:

Am Dique do Tororó stehen die mystischen Orixá-Gottheiten im Wasser, während im Hintergrund die Arena Fonte Nova aufragt – das Stadion, das komplett neu für die WM 2014 gebaut wurde. Jede der Figuren symbolisiert eine Naturgewalt, etwa Meer oder Donner, und beschützt die Stadt. Diese Mischung aus Religion und Fußballarena in einem Bild erzählt viel über Salvador.

Noch deutlicher wird es an zwei katholischen Kirchen, die zwei völlig verschiedene Welten sind. Auf der einen Seite die prunkvolle Catedral Basílica mit vergoldeten Altären bis unter die Decke. Auf der anderen Seite die Igreja do Rosário dos Pretos, die Kirche der schwarzen Bruderschaft: schlichter, ruhiger, mit schwarzen Jesus- und Heiligenfiguren sowie der angolanischen Flagge am Altar. Wer verstehen will, woraus Bahia gemacht ist, sollte beide besuchen, direkt hintereinander.

Bunt, bunter, Salvador: Die ikonischen Fita do Bonfim-Wunschbänder ziehen sich durch die ganze Stadt und um jedes Geländer an der Küste. Drei Knoten, drei Wünsche – und man darf das Band nicht selbst abnehmen, sonst gilt’s nicht.

Wandbild mit afro-brasilianischen und indigenen Porträts an einer blauen Hausfassade in Salvador da Bahia
Afro-brasilianische Kultur an ganzen Fassaden.

Kulinarisch war die traditionelle Moqueca das Highlight, dieser bahianische Fischeintopf mit Kokosmilch und Dendê-Öl. Beim Essen sind wir dann selbst Teil der Straßenmusik geworden – plötzlich hatte ich ein Percussion-Instrument in der Hand. Der Straßenvibe und die Live-Musik hier sind einfach unschlagbar. Und ganz nebenbei: Am Largo do Pelourinho wurde Musikgeschichte geschrieben. Genau hier hat Michael Jackson „They Don’t Care About Us“ gedreht.

Imbassaí: Ausklang im Paradies

Die letzte Etappe führte mich nach Imbassaí, rund 65 Kilometer und etwa eine gute Autostunde nördlich von Salvador. Ein absoluter Ruheort mit einem traumhaft schönen Strand – genau das Richtige, um eine Reise wie diese ausklingen zu lassen.

Gewohnt haben wir mitten im Grünen in der Pousada Capitù, einer wunderschönen Anlage mit direktem Strandzugang, Palmen, Hängematten – und gelegentlichem Besuch von den einheimischen Nachbarn. Ein Leguan hat sich regelmäßig auf dem Rasen sonnen gelegt, und auf dem Weg ins Zentrum haben wir am Fluss noch seinen Kumpel getroffen: ein tiefenentspanntes Capybara.

Orangefarbenes Haus mit Palmdach zwischen Kokospalmen mit direktem Strandzugang in Imbassaí
Die Pousada Capitù liegt mitten im Grünen und direkt am Strand.

Mein persönliches Reise-Highlight zum Schluss: Auf dem Pferderücken den endlosen Strand von Imbassaí entlangreiten, links Palmen, rechts Atlantik. Freiheit pur.

Megan reitet mit einem Guide auf Pferden über den weiten Sandstrand von Imbassaí
Auf dem Pferderücken den endlosen Strand entlang – Freiheit pur.

Für einen Tagesausflug lohnt sich Praia do Forte ganz in der Nähe. Wer etwas mehr Trubel, Restaurants und Shops mag, ist hier genau richtig. Highlight war der Besuch beim Projeto Tamar, das sich seit Jahrzehnten leidenschaftlich für den Schutz der Meeresschildkröten an dieser Küste einsetzt – sehenswert und richtig gut erklärt.

Meeresschildkröte in einem Becken des Projeto Tamar in Praia do Forte
Beim Projeto Tamar in Praia do Forte dreht sich alles um Meeresschildkröten.

Mein Fazit

Brasilien lässt sich nicht in einem Satz zusammenfassen. Und meine Reise lieferte mir viele verschiedene Einblicke: Rio ist Ikone und Großstadtenergie, Iguaçu pure Naturgewalt, der Amazonas eine Entschleunigung, wie ich sie selten erlebt habe, Salvador ein Kulturschock im besten Sinne und Imbassaí der Ort, an dem alles nachklingen darf. Ich würde es tatsächlich genauso wieder machen.

Wer drei Wochen einplanen kann, sollte die Regionen Pantanal und Bonito dazunehmen: Tierbeobachtung und glasklare Flüsse, wie es sie sonst nirgends in Brasilien gibt. Dazu folgen eigene Beiträge hier im Blog. Und wer die Regenzeit nicht scheut, erlebt im Amazonas mit dem Igapó ein Naturschauspiel, das die meisten Reisenden nie zu sehen bekommen..

Tschüss Brasilien, bis zum nächsten Mal!

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Alle fünf Etappen dieser Reise lassen sich auch einzeln oder in Kombination in eine individuelle Brasilien-Rundreise einbauen – von der Stadtetappe in Rio über die Iguaçu-Wasserfälle und die Amazonas-Lodges bis zur bahianischen Küste. Wir planen die Route passend zu Reisezeit, Tempo und Interessen. Sprechen Sie uns einfach an.

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